Velvet Revolution

Samstag, 12. September 2020; ca. 20.30 Uhr

Musikalische Grenzüberschreitungen vereint mit kompositorischen Witz und einem  unmittelbar identifizierbaren Sound. So machen die drei Musiker Daniel Erdmann, Théo Ceccaldi und Jim Hart ihrem Bandnamen Velvet Revolution alle Ehre und einem durchaus heterogenen, stilistisch weit gefächerten Publikum großen Spaß. Rund drei Jahre liegt die Veröffentlichung des Debütalbums zurück, seitdem wurde dem deutsch-französisch-britischen Trio viel Aufmerksamkeit von Medien und Publikum zuteil. Die Aufnahme erhielt den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. Die Jury begründete: „Ein Hauch von coolem Swing und die Freude an pointillistischen Klangtupfern und unerwarteten Wendungen durchwehen die Stücke. Diese ’samtene Revolution‘ erschafft, was der Albumtitel verspricht: kurze Momente der Schwerelosigkeit.“

Norbert Krampf urteilte in der FAZ: „Ihre Spielfreude und eng verzahnte Interaktion sind ein Genuss, die Verbindung von hoher Kunst, Vitalität und feinem Humor gelingt beispielhaft. Traumwandlerisch sicher balancieren alle drei auf dem Hochseil der freien, indes nie überbordenden Imagination.“

Daniel Erdmanns sensibles, klangfarbenreiches, mitunter auch aufbrausendes Tenorsaxophon-Spiel wurde bereits im Zusammenhang mit seinen anderen Bands (etwa „Das Kapital“) vielfach anerkannt und ausgezeichnet. Er bekommt in diesem Jahr den SWR-jazzpreis. Théo Ceccaldi wird inzwischen auch außerhalb Frankreichs als genialisches  Talent der Violine und als junger Fackelträger der großen französischen Jazzgeiger-Tradition gefeiert. Auch in seinen eigenen Bands (beispielsweise den Freaks) fesselt Ceccaldi als famoser, keine Stil- und Spielgrenzen kennender Teufelsgeiger die Zuschauer bei vielen Festivals. Der Brite  Jim Hart, seit einigen Jahren im Elsass ansässig und vor Velvet Revolution unter anderem in der Band von Marius Neset aufgefallen, hat sich in jüngster in Ghana mit westafrikanischen Rhythmen und Balafon- respektive Gyil-Traditionen beschäftigt. Dort gesammelte Eindrücke beeindrucken jetzt auch in einigen Passagen des Trios.

Daniel Erdmann wurde 1973 in Wolfsburg geboren. Als Jugendlicher lebte er in der Nähe von Washington, D.C. und spielte  dort Tenorsaxophon. Zurück in Deutschland lernte er 5 Jahre bei dem amerikanischen Saxophonisten George Bishop und studierte  in Berlin. Des weiteren nahm er an Masterclasses von Michael Brecker, Steve Lacy, Ray Anderson, und Lee Konitz teil.   2001 erhielt er ein Stipendium des deutsch-französischen Kulturrates für einen Aufenthalt in Paris. Dort stößt er  auf den Schlagzeuger Edward Perraud unzählige Konzerte in Europe, Amerika und Asien. Für die erste CD eines Repertoires mit Stücken von Hanns Eisler erhielten sie den „Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2011“.  2014 gründete Daniel Erdmann seine Compagnie “ DAS ATELIER“.

Theo Ceccaldi wurde 1986 in Orleans geboren und ist der aufstrebende junge Jazzmusiker Frankreichs. 2014 wurde er von Jazz Magazin in Paris als „Entdeckung des Jahres“ gefeiert.  Er ist Mitglied im Orchestre National de Jazz, spielt mit seinem eigenen Trio, dem IXI Streichquartett, in Hans Lüdemanns Band TEE, dem Joelle Leandre Tentett und anderen. 2017 wurde er in Frankreich als Neuentdeckung des Jahres mit dem renommierten Musikpreis „Victoires“ ausgezeichnet.

Jim Hart wurde 1983 in Plymouth geboren und ist einer der gefragtesten Musiker seiner Generation. Lange Zeit in London ansässig, ist er Mitbegründer des Loop Collective. Er nahm diverse CDs it seinem Cloudmakers Trio und dem Jim Hart-Quartet auf. Des weiteren spielte er (auch als Schlagzeuger) mit Kenny Wheeler, Cleo Laine und vielen anderen. Derzeit ist er Mitglied in den Bands von Julien Loureau und Marius Neset. Er gewann mehrere British Jazz Awards und war mehrfach im DownBeat Readers Poll zu finden. Sein aktuelles Projekt „VulaViel“ lässt aufhorchen.